Transversale Myelitis

Patient: weiblich, 45 Jahre alt.

Date: September 2021

Wichtigste Falldetails

  • Patientin: Frau, 45 Jahre alt
  • Therapiebeginn: Juli 2019
  • Diagnose: Transverse Myelitis (assoziiert mit einem hohen Antikörpertiter gegen das Herpes-Zoster-Virus)
  • Behandlungsmethode: Einmalige intravenöse und intrathekale (in den Spinalkanal) Verabreichung allogener mesenchymaler Stammzellen (MSCs) aus Nabelschnurgewebe.
  • Beschwerden: Schwäche in den Beinen und Anästhesie (Gefühlsverlust) der unteren Gliedmaßen.
  • Neurologischer Status: Anästhesie der unteren Gliedmaßen unterhalb des Dermatoms Th5. Eigenreflexe:  an den oberen Gliedmaßen,  an den unteren Gliedmaßen, schwach. Harninkontinenz. Muskelkraft: MRC 5 an den oberen Gliedmaßen, MRC 2 an den unteren Gliedmaßen.
  • MRT (11.03.2019): Atrophische Veränderungen des Rückenmarks auf Höhe Th5–Th8. Rückenmarksödem auf Höhe C4–Th4, paramagnetische Kontrastmittelanreicherung auf Höhe Th1–Th10 (Abb. 1).
  • Laborbefund: Hohe Konzentration von Herpes-Zoster-Antikörpern im Blut.

Was ist eine transverse Myelitis?

Die transverse Myelitis ist eine akute entzündliche Erkrankung des Rückenmarks, welche die Myelinscheide der Nervenfasern schädigt. Dies führt zu einer gestörten Signalübertragung vom Gehirn zu den Organen und Gliedmaßen. Bei unserer Patientin wurde die Erkrankung durch das Herpes-Zoster-Virus (Gürtelrose) ausgelöst, was zu einem Ödem und atrophischen Veränderungen im thorakalen (Brust-) und zervikalen (Hals-)Bereich des Rückenmarks führte.

Abb.1. MRT der Brustwirbelsäule vor der Behandlung

 

Abb.2. MRT der Brustwirbelsäule 4 Monate nach der Behandlung

Vergleich des MRT-Bildes des Rückenmarks:

  • Vor der Behandlung: Rückenmarksödem auf Höhe von C4–Th4 und eine großflächige Entzündungszone im Bereich Th1–Th10.
  • Nach der Behandlung (04.11.2019): Das Ödem ist vollständig abgeklungen. Die paramagnetische Kontrastmittelanreicherung ging signifikant zurück und blieb nur noch lokalisiert auf dem Mikroniveau von Th7–Th8 nachweisbar. Atrophische Veränderungen beschränkten sich ausschließlich auf die Segmente Th5–Th6.

Zustand der Patientin vor der Therapie

Die Patientin stellte sich in der QR Clinic mit folgenden Beschwerden vor: vollständige Unfähigkeit zur selbstständigen Fortbewegung, Gefühlsverlust in der unteren Körperhälfte sowie Störungen der Beckenorganfunktionen.

Ergebnisse der neurologischen Untersuchung:

  • Sensibilität (Anästhesie): Vollständiger Gefühlsverlust unterhalb des Thorakalwirbelsegments Th5 (Brustbereich).
  • Motorik (Muskelkraft): Die Muskelkraft der oberen Gliedmaßen war normal (MRC 5). Die Muskelkraft der Beine war jedoch kritisch auf einen Wert von MRC 2 herabgesetzt (die Patientin konnte nur minimale Bewegungen in den Gelenken auf horizontaler Ebene ausführen, war jedoch nicht in der Lage, die Schwerkraft zu überwinden oder ein Bein anzuheben).
  • Beckenorganfunktionen: Anhaltende Harninkontinenz (Notwendigkeit einer dauerhaften Katheterisierung).

MRT der Brustwirbelsäule (vom 11.03.2019): Es wurde ein ausgeprägtes Rückenmarksödem auf Höhe der Segmente C4–Th4 festgestellt. Zudem zeigte sich eine paramagnetische Kontrastmittelanreicherung auf Höhe von Th1–Th10 (ein Zeichen für eine aktive Entzündung) sowie beginnende atrophische Veränderungen des Rückenmarks im Bereich Th5–Th8.

Zelltherapieprogramm in der QR Clinic

Aufgrund des infektiös-entzündlichen Charakters der Erkrankung wurde beschlossen, ein Zellpräparat mit hohem entzündungshemmendem und regenerativem Potenzial einzusetzen – mesenchymale Stromazellen (MSCs) aus der Nabelschnur.

Am 13. Juli 2019 wurde bei der Patientin eine kombinierte intravenöse Verabreichung und intrathekale Infusion einer Suspension allogener mesenchymaler Stammzellen durchgeführt, die aus der Nabelschnur eines gesunden Spenders gewonnen wurden.

Erwartetes Ergebnis: Nabelschnur-MSCs besitzen die einzigartige Fähigkeit, autoimmune Entzündungsprozesse zu unterdrücken, die Aktivität entzündungsfördernder Zytokine zu senken und die Neuroregeneration (Wiederherstellung geschädigter Nervenscheiden) zu stimulieren.

Dynamik und Behandlungsergebnisse (nach 4 Monaten)

4 Monate nach der Stammzelltransfusion wurde bei der Patientin eine Kontroll-MRT sowie eine neurologische Untersuchung durchgeführt. Die Ergebnisse zeigten eine stabile positive Dynamik.

Wiederherstellung der Beckenorganfunktionen:

  • Vor der Behandlung: Vollständige Harninkontinenz.
  • Nach der Behandlung: Die Blasenfunktion hat sich vollständig normalisiert. Die Patientin leidet nicht mehr unter Harninkontinenz, was ihre Lebensqualität entscheidend verbessert hat.

Verbesserung der Sensibilität und Motorik:

  • Vor der Behandlung: Anästhesie unterhalb von Th5, Muskelkraft der Beine bei MRC 2.
  • Nach der Behandlung: Die Grenze des Gefühlsverlustes hat sich deutlich nach unten verschoben – auf das Niveau von Th10 (die Sensibilität im Oberbauch wurde wiederhergestellt). Die Muskelkraft der Beine stieg auf MRC 3 an – die Patientin ist nun wieder in der Lage, ihre Beine selbstständig anzuheben und der Schwerkraft entgegenzuwirken. Dies bildet die entscheidende Grundlage für die weitere Geh-Rehabilitation.

Fazit

Der Einsatz von Nabelschnur-Stammzellen ermöglichte es, den aktiven Entzündungsprozess im Rückenmark, der auf eine klassische medikamentöse Therapie nicht ansprach, rasch zu stoppen. Das Abklingen des Ödems schuf die Voraussetzungen für eine teilweise Regeneration der Nervenfasern. Die Patientin befindet sich weiterhin in der planmäßigen Nachsorge (nach 3, 6 und 12 Monaten) und absolviert ein intensives physiotherapeutisches Rehabilitationsprogramm zur Festigung des Behandlungserfolgs.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Helfen Stammzellen bei transverser Myelitis?

Ja. Mesenchymale Stammzellen (MSCs) wirken stark entzündungshemmend. Sie können dazu beitragen, Rückenmarksödeme abzubauen, Nervenzellen vor weiterer Zerstörung zu schützen (Neuroprotektion) und die Regeneration der Myelinscheide zu fördern.

Welche Zellen werden zur Behandlung der Myelitis in der QR Clinic verwendet?

Wir verwenden autologe (körpereigene) mesenchymale Stammzellen (MSCs) aus dem Fettgewebe des Patienten oder allogene (Spender-)Zellen, die aus der Nabelschnur oder der Plazenta gesunder Spender gewonnen werden. Diese besitzen das höchste therapeutische Potenzial und rufen keine Abstoßungsreaktion hervor.

Wie schnell zeigen sich die ersten Behandlungsergebnisse?

Im vorgestellten klinischen Fall konnte ein deutlicher Rückgang der Symptome (Wiederherstellung der Blasenkontrolle, Absinken der Gefühlsstörungsgrenze und Wiederkehr der Beinbeweglichkeit) bereits 4 Monate nach der Therapie verzeichnet und durch MRT-Aufnahmen objektiv bestätigt werden.

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